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Patientenakte online

06.06.2018, UNIMEDIZIN Geriatrisches Netzwerk soll Behandlung für Hausärzte vereinfachen

Von Alexander Schlögel  

MAINZ Es kommt immer wieder vor: Ältere Menschen werden aus der Geriatrie-Abteilung eines Krankenhauses entlassen. Dann verschreibt ihnen ihr Hausarzt ein Medikament und es kommt zu Komplikationen. Und schon müssen sie wieder ins Krankenhaus eingeliefert werden. Ärgerlich für alle Beteiligten: Für den Patienten, weil er seine vertraute Umgebung wieder verlassen muss, für das Krankenhaus, das sich ohnehin schon um viele Patienten zu kümmern hat und für die Krankenkasse, weil sie Aufenthalt und Behandlung finanzieren muss.

Diesen Drehtüreffekt möchte die Universitätsmedizin Mainz jetzt zumindest verringern. Deshalb hat sie mit der Geriatrischen Fachklinik Rheinhessen-Nahe, dem Marienkrankenhaus Nassau und dem St. Marien- und Annastiftskrankenhaus Ludwigshafen das Projekt „Geriatrisches Netzwerk“ (GerNe) gestartet. „Wir wollen damit die Kommunikation zwischen den geriatrischen Kliniken und den niedergelassenen Hausärzten in Rheinland-Pfalz verbessern“, erklärt Projektleiter Professor Dr. Roland Hardt, Leiter der Abteilung Geriatrie am Zentrum für Allgemeinmedizin und Geriatrie der Universitätsmedizin Mainz, beim offiziellen Startschuss auf dem Klinikgelände.

Möglich gemacht werden soll dies durch eine im Internet erstellte Fallakte, die für den Patienten – der der Teilnahme am Projekt zustimmen muss – angelegt wird. „Wir stellen dort alle erhobenen Untersuchungsbefunde, Assessmentergebnisse, Verlaufsberichte, den Medikationsplan zum Zeitpunkt der Entlassung sowie Empfehlungen zur weiteren Behandlung hinein.“

Was zunächst oberlehrerhaft klingt, ist laut Hardt überhaupt nicht so gemeint. Im Gegenteil: „Es geht um eine Stärkung der hausärztlichen Funktion.“ Die Hausärzte kommen über ein Passwort an die Patientenakte heran und haben die Aufgabe, sie weiterhin zu pflegen, indem sie den Patientenstatus aktualisieren oder Medikationsänderungen eintragen. In der Klinik werden die Einträge wiederum von Geriatern gesichtet.

Das Projekt ist erst mal auf drei Jahre angelegt und wird durch den Innovationsfonds des „Gemeinsamen Bundesausschusses“ (GBA) mit rund 3,9 Millionen Euro gefördert. Mit im Boot ist auch die Barmer Rheinland-Pfalz/Saarland, die als Gesetzliche Krankenversicherung anonymisiert Daten von Patienten zur Verfügung stellt, anhand derer überprüft werden kann, ob diese elektronische Patientenakte Vorteile bringt.

„Ziel ist es, besondere Versorgungskonzepte auch in eine Regelversorgung zu überführen“, hofft Landesgeschäftsführerin Dunja Kleis von der Barmer Landesvertretung darauf, dass es sich etablieren lässt. „In der Geriatrie haben die Patienten ganz viele unterschiedliche Sachen“, sagt Professor Dr. Norbert Pfeiffer, Vorstandsvorsitzender der Universitätsmedizin. „Wir müssen lernen, wie wir die Menschen am besten versorgen und wie die unterschiedlichen Behandlungen miteinander wirken.“ GerNe werde „ein Erfolgsmodell“, ist Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) optimistisch.

Allgemeine Zeitung, 6. Juni 2018

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